Wochenbericht vom 14. Juni bis 19. Juni 2020

Inzwischen geht die 16. Woche bei Ombili ihrem Ende entgegen. Nach dem letzten Rundschreiben an die Mitglieder des Freundeskreises habe ich eine ganze Reihe Mails erhalten und die Frage: “Wie geht es Dir denn so?”  Vielen Dank. Es geht mir gut. Viel Zeit zum Nachdenken gibt es aber nicht. Allerdings machen sich auch die 16 Sieben-Tage-Arbeitswochen doch langsam bemerkbar. Es fehlt natürlich viel: meine Frau die gesamte Familie, das Glas Rosé bei uns zu Hause am Teich, heimisches Essen und inzwischen auch die Wärme. Hier nähern wir uns nachts und morgens langsam der 0 °C-Grenze. Die Papaya-Früchte werden nun mit alten Säcken eingepackt und vor der Kälte geschützt. Am Nachmittag ist es dann aber wieder angenehme 20 °C warm. 

Egal, die Probleme nehmen mit der Zeit nicht ab. Im Gegenteil, sie nehmen zum Teil in Einzelbereichen deutlich zu. Meist von Außen verursacht.

Sicherheitsdienst

So wird ab kommenden Montag die Schule wieder geöffnet, anfangs von der Vorschule bis zur dritten Klasse.  Die staatlichen Forderungen sind zwar sehr präzise und erlauben zum Glück keine Lockerungen im Corona-Schutz, quasi das, was wir bei Ombili mit unserer “Alphabetisierungs-Initiative” (siehe früheren Bericht dazu) schon seit Wochen erfolgreich vorweg genommen haben. Die Umsetzung der Hygieneanforderungen durch das Schulmangement ist allerdings erschreckend. Ich erspare mir an dieser Stelle Details. Wir haben uns geweigert, dem Programm der Schuldirektorin zu folgen und dort, wo wir das aus eigener Verantwortung können, unsere bewährten Hygienemaßnahmen beibehalten. 

Problematisch werden die nun wieder steigenden Kosten, insbesondere die Stromkosten, teilweise auch die Personalkosten. Wir haben den Sicherheitsdienst von vier auf acht Personen verdoppelt. Neben dem Wachhäuschen am Haupteingang bauen wir nun eine weitere ständig besetzte Wache am Gatter gegenüber dem Eingang der staatlichen San-Niederlassung “Ondera” auf. Die Situation dort ist mit der (ungeplanten) Vervierfachung der Bevölkerung nur noch schwer zu kontrollieren.  Die Auswirkungen für Ombili reichen von der illegalen Weidenutzung, dem unerlaubten Betreten des Stiftungsgeländes zur Nutzung unserer Infrastruktur, u.a. des Ladens, für den wir aufwändig Lebensmittel u. a. aus Tsumeb besorge,  bis hin zu den Versuchen von Alkoholverkauf durch Fremde aus Tsumeb und der Nachbarschaft. Dank der Aufmerksamkeit der Einwohner, unseres Sicherheitsdienstes (Bild bei einer Montagsbesprechung) und konsequenten Durchgreifens (zwei Ombilis haben wegen Alkoholhandels von uns eine Anzeige bei der Polizei erhalten und werden mit  Beendigung des Shutdown Ombili auf immer verlassen müssen.  Die “Ombili Policy” (Ombili-Regeln) ist juristisch abgesichert und vom Büro des Präsidenten der Republik Namibia anerkannt, übrigens das einzige Dokument dieser Art im Lande.

Nun aber zurück zu dieser Woche. Anbei zwei Bilder nochmals zur Ziegelproduktion (Bild Ziegelsteine 1 & 2). Mit der gezeigten Technik können gleichzeitig vier Zementziegel hergestellt werden. Man lässt sie trocknen und kann sie danach sofort zum Bau verwenden. Pro Tag werden etwa vierhundert Ziegel hergestellt. Gegenwärtig gibt es drei Bauprojekte, jeweils eines pro Dorf. 

Ziegelsteine 1
Ziegelsteine 2

Finanziell gesehen haben wir auch gute Nachrichten, zumindest aus der Sicht der letzten Monate. Zwischen März und Mai waren die Einnahmen geich Null.  Ombili hat wieder rund 13.000 N$ über den Verkauf von Droppers und Poles (Latten und Pfählen, Bilder Dropper-Poles 1 & 2) generieren können, 1.500 N$ über den Verkauf von Gesichtsmasken in Tsumeb, ca. 3.500 N$ über den Verkauf von Tomaten und Paprika auf dem Markt in Tsumeb (übrigens das erste Mal seit Jahren, Bild Tomaten für Tsumeb) und ca. 3.000 N$ über die ersten beiden (einheimischen) Touristen seit März erzielen können. Sicher ist das alles ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ungeheuer wichtig für unsere Mitarbeiter und die Bewohner Ombilis, da sie wieder selbst einen Beitrag zur Erhaltung der Stiftung leisten konnten. 

Tomaten für Tsumeb
Dropper-Poles
Dropper-Poles

Natürlich wurden nicht nur Tomaten auf dem Markt verkauft. Die Ernte wurde auch für die Vorbereitung auf die komplette Wiederaufnahme der der Funktion der Hostelküche genutzt. Bisher haben wir bereits Paprika und Kürbisse eingefroren und Mandarinenmarmelade hergestellt.  Nun steht Tomatensauce auf dem Produktionsplan. Die erste “Charge” wurde in dieser Woche produziert. Das Bild “Tomatensauce 1” zeigt unsere Managerin Bets van der Merwe beim Abwiegen der Zwiebeln (Spende vom Nachbarfarmer Louis du Plessis) und Fiina Goboses beim Schneiden derselben. Schade, dass es noch keine Geruchs-Emails gibt (Bild Tomatosauce 2). Das Ergebnis zeigt Bild Tomatosauce 3 mit den ersten 16 Gläsern. In der kommenden Woche wird weiter produziert. Danach stehen Karotten und Rote Beete auf dem Verarbeitungsplan.

Tomatensauce
Tomatensauce 2
Tomatensauce 3

Etwas Stress für die Mitarbeiter der Werkstatt und der Farm gab es auch. Vor zwei Tagen wurde zur Probe Feueralarm ausgelöst.  Die beiden Feuerlöschgeräte und andere Mittel zur Feuerbekämpfung sollten getestet werden (Bild Probealarm 1).  Leider war noch nicht alles sofort einsatzfähig, aber letztlich konnte der Testlauf auf der 90 minütigen Fahrt um die Außenzäune der Farm vollzogen werden (Bild Probealarm 2). Wenn man sich den dichten Busch (Bilder Busch 1 & 2) vor Augen hält, das in diesem Jahr hochstehende trockene Gras und die jetzt im Winter unberechenbaren Winde in Betracht zieht, dann wird die Gefahr eines Buschbrandes recht deutlich.

Probealarm 1
Busch 1
Probealarm 2
Busch 2

Gegenwärtig bereiten wir uns neben erforderlichen Renovierungsarbeiten im Hostel auch auf die Neuausstattung der Betten vor (Bild Bettwäsche für Internat). Dank unseres Mitgliedes Ralph Röder konnten wir mit dem vorletzten Container ausreichend Bettwäsche zu Ombili bringen, mit der nun die 80 Betten neu bezogen werden können.  

Bettwäsche
Gesundheitsdienst

Das Gesundheitssystem funktioniert noch. Hier ein Bild (Gesundheitsdienst) des regelmäßigen Sprechstundendienstes durch die regionalen Einrichtungen. Es ist von Vorteil, dass wir dafür die Räume unserer eigenen Ambulanz zur Verfügung stellen können. Allerdings sind die Fahrdienste der staatlichen Kliniken völlig überlastet, so dass Ombili mit erheblichem finanziellen Aufwand Notfälle, Schwangere oder Patienten für regelmäßigen Untersuchungen (z.B. Tuberkulose-Kontrollen)  selbst transportieren muss, für eine Fahrt nach Tsumeb und zurück sind das immerhin 180 km.

Unser “Crocodile Man” Babu Kamamub brachte vor wenigen Tagen ein sehr detailgetreues Krokodil.  Zähne und Rückengestaltung sind wirklich der Natur eng nachempfunden (Bild Krokodil). Leider schrumpfen auch hier unsere finanziellen Ressourcen, da wir zwar noch (im reduzierten Maße) Kunsthandwerk aus den Dörfern aufkaufen, dieses aber in inzwischen 16 Paketen hier bei Ombili auf den Transport nach Deutschland wartet.  Eine Hilfe ist der Verkauf durch unseren Freundeskreis aus den vorhandenen Lagerbeständen in Brandenburg.

Jedes durch Sie erworbene Stück ist eine Hilfe für Ombili.

Viele Einwohner können ihren Lebensunterhalt außschließlich durch die Herstellung von Körben und Schnitzereien bestreiten.

Krokodil

In der Druckwerkstatt wurde begonnen, die bisher nur als Einzeltiere hergestellten Druckvorlagen* (Bilder Druckvorlagen 1 – 4) durch “Geschichten” (z. B. Jagszenen) zu ersetzen.  Dadurch soll das Interesse an bedruckten Beuteln, Rücksäcken, Decken und Servietten erhöht werden. Vielleicht kann ich bald die neuen Kreationen zusenden. Die Druckvorlagen werden übrigens aus Spenden alter Röntgenbilder der Tierarztpraxis Lars Kockerbeck (ehemals Praxis Gollnast) Wandlitz und unseres Mitgliedes Dr. Gabriele Reichardt angefertigt. Leider gibt es sie kaum noch im Digitalzeitalter.

Druckvorlage 1
Druckvorlage 2
Druckvorlage 3
Druckvorlage 4

Unser Ernährungsprogramm geht natürlich munter weiter. Bild Maisbrei zeigt “Mutter Afrika” (Aina David) bei der Zubereitung des Maisbreis, zur Einsparung von Stromkosten auf Holzfeuer gekocht.  Im Hintergrund der Kindergarten unter Einhaltung der “Social Distance” entsprechend der Corona-Regeln.  Viele Kinder sind leider noch barfuß. In der vergangenen Woche konnten wir Schuhe und Stiefel für die Vorschulklasse kaufen. In der nächsten Woche kommen der Kindergarten und die erste Klasse an die Reihe. Dann müssen wir erst einmal weiter sehen. Auch hier machen sich die finanziellen Probleme leider bemerkbar.

Maisbrei
Maske

Bets van der Merwe probiert unsere in der Nähwerkstatt hergestellten Kinder-Schutzmasken an.

Inzwischen ist es kurz vor 19 Uhr. Die Sonne geht hinter meiner Unterkunft unter (Bild Abend). In knapp zehn Minuten wird es nachtschwarz sein. Noch sehe ich aber im Garten marderartiges Getier auf der Mäusejagd. Die Feuer vor den Häusern als einzige Wärmequelle brennen schon längst. Es wird wohl wieder sehr kalt werden.

Abend

Mit besten Grüßen,
Rüdiger von Versen

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