Kurzbericht 9. April bis 23. April 2020 Teil 1

Ich stelle mit Erschrecken fest, dass nach meinem letzten Bericht schon wieder nahezu zwei Wochen ins Land gegangen sind. Hier merkt man tatsächlich nicht, wie die Zeit vergeht.

Nachdem anfangs nur einige Regionen um Windhoek und Swakopmund  von der strikten Ausgangssperre betroffen waren, gilt diese nun im gesamten Land und wird jetzt noch stringenter angewendet. Seit vergangenen Samstag gibt es   eine nahezu totale Ausgangs- und Kontaktsperre (shut down). Das Verlassen des Wohnbereiches, in unserem Fall der Stiftung, ist ohne Genehmigung nicht mehr möglich. Ausnahmen für uns sind akute Krankentransporte, wenn die staatliche Ambulanz dazu nicht in der Lage oder schnell genug ist.

Eigentlich würden auch wir behördlich genehmigte Passierscheine für unsere Versorgungsfahrten ins 90 km entfernte Tsumeb benötigen (Beantragung und Abholung bei den Behörden im 30 km entfernten Oshivelo). Durch das Entgegenkommen der Polizei ist uns das aber erspart geblieben. Inzwischen besitzt das Management dank der  von unserem Mitglied Ralf Werk bereitgestellten Technik, der entwickelten Entwürfe und die durch ihn eingearbeiteten Office-Mitarbeiter professionelle Ombili-Ausweise. Ansonsten dient die Technik der Herstellung und Ausgabe von Ombili-Ausweisen für die berechtigten Einwohner (Bild Ombili IDs vom 23.03.2019, Ralf Werk mit Thomas Adam im Office). Diese im vergangenen Jahr begonnene Aktion ist mit einem Zensus, vergleichbar einer Volkszählung, verbunden.

Ombili IDs vom 23.03.2019, Ralf Werk mit Thomas Adam im Office
Otjolo

Noch ein Blick auf einen Teil der Siedlungserweiterung bei Otjolo. Es gab einige Jahre lang durch einen Manager geduldet und  mangels wirklicher Kontrolle einen gewissen Wildwuchs an Bautätigkeit.  Nun gibt es Erweiterungs- und Neubauten nur noch in Absprache mit dem Management und nach Genehmigung durch den Vorstand. Wir müssen die Infrastruktur besser gestalten, auch um die technische Versorgung (Wasser, Strom) und Zugänglichkeit (Versorgungsfahrzeuge, Gemeindefeuerwehr - ja auch das gibt es - sowie Ambulanz) zu gewährleisten. Eigentlich hatten wir hierbei stark auf zwei Freiwillige aus Berlin gehofft, die mit ihrer Expertise sehr hätten helfen können. Corona! Vielleicht klappt es aber doch noch, wenn auch später.

An dieser Stelle möchte ich den Bericht vom letzten Mal bezüglich unserer Sekundarschüler noch etwas ergänzen.  Entsprechend der mit ihnen, der Stiftung und den Pateneltern abgeschlossenen Fördervereinbarungen verbringen sie eine gewisse Zeit mit gemeinnütziger Arbeit. Diesmal sind es, wie bereits erwähnt,  zwei Wochen im Garten, bei der Gemeindereinigung und der Pflege des sog. Buschmannpfades (Bushman Trail), einem Lehrpfad für die Grundschule und für Touristen. Die Instandhaltung des Pfades ist nach der Regenzeit dringend erforderlich. Die dafür verantwortlichen Schülerinnen der Sekundarschulen haben singend und auch bei nachmittäglicher Hitze diese wirkliche Herausforderung brillant gemeistert. Bilder Bushman Trail 1 vor, Bushman Trail 2 während und Bushman Trail 3 nach der Aktion. Bushman Trail 4 zeigt Phillipus Dweb, Arbeiter in der Werkstatt und Initiator der Gemeindekulturgruppe, der hierfür die Koordination übernommen hatte und immer ganz vorn mit dabei war.   Zwei der Schülerinnen. Sie hatten sich bereit erklärt, für die kleine Abschlussfeier nach dem beendeten Arbeitseinsatz zu sorgen und für 16 Personen zu kochen. Hier sind wir gerade dabei, das „Menü“ zu besprechen (Bild Katarina Shikongo & Ania Eino). Gekocht wurde in der Internatsküche. Unterstützung gab es vom Küchenchef Hiskia Jakob. Im Auftrag des Managements war auch Gabriel David mit von der Partie.

Bushman Trail 1
Bushman Trail 3
Bushman Trail 2
Bushman Trail 4

Wie den Pateneltern von Barman Oga schon einmal berichtet wurde, hatte dessen Vater Samuel Oga (verantwortlich in der Ambulanz) schon seit etwa 2018 den Bau eines neuen Hauses geplant, es aber nie geschafft, über die Holzkonstruktion hinaus zu kommen. Um die Sache nun endlich zu beschleunigen wurde am 15. April ein Treffen zwischen Samuel , dem Managerehepaar Bets (Finanzen) und Sakkie (Infrastruktur) van der Merwe und mir einberufen, ein Finanzplan erstellt und eine Bauplanung vorgenommen. Die Stiftung hat mit zwei Fenstern und den Transport des Bausandes unterstützt. Zu jeweils 1.750 N§ (ca. 90 €) Eigenleistung haben die Pateneltern 1.000 N$ (ca. 50 €) beigesteuert. An Samuels Gesicht kann man die Erleichterung erkennen (Bild Baubesprechung). Am 23. April (Bild Neubau) konnte man den Baufortschritt schon deutlich erkennen.

Neubau

Zum Abschluss diesen ersten Teiles möchte ich kurz auf ein Problem eingehen, das uns schon seit einigen Wochen beschäftigt. Die Schlangenplage. Hier gibt es quasi von der Python über die Cobra bis zur schwarzen Mamba eine breite Palette (Bilder). Normalerweise kommen sie recht selten aus dem Busch. Jetzt zur Regenzeit, verbunden mit großer Wärme und hohem Grass, sieht man sie auch öfter in unserer Nähe. Es ist gut, dass die San die Spuren problemlos erkennen und entsprechendes Handeln ermöglichen. So fanden wir gestern zwei Spuren vor meiner Unterkunft (wahrscheinlich Cobras) und auf dem Verbindungsweg von der Schule, am Haus von Joao Ndumba vorbei zum Dorf Otjolo die Spur einer schwarzen oder grünen Mamba. Letztere kam wahrscheinlich aus einer Baumhöhle oder der Krone eines Baumes nahe der Schule.

Cobra bis zur schwarzen Mamba eine breite Palette
Cobra
Grüne Mamba

Die Mitarbeiter der Stiftung, Daniel Koboseb (Werkstatt) und Loide Kambuta (Küche), hatten entdeckt, dass von einem Baum (Bild Baumhöhle) der Weg ins Dorf führte. Ich habe einmal die Abdrücke (Bild Spur) versucht zu markieren. Wir haben vorsichthalber den gesamten Bereich zwischen den Lehrerhäusern (Zentrum) und dem Dorf abgebrannt (Bild Feuer). Die Schlange konnten wir allerdings nicht ausmachen.

Baumhöhle
Feuer

Ende Teil 1

Mit besten Grüßen,
Rüdiger von Versen

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